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Die Erfolgsgeschichte von Lissachatina fulica

Lissachatina fulica - meine absolute Lieblingsschnecke! Durch ihre Robust- und Strapazierfähigkeit galt sie jahrelang als die perfekte Einsteigerschnecke, verzeiht sie doch auch kleine und manch große Fehler. Doch genau diese Eigenschaften machen sie zu einem der gefährlichsten Invasoren der aktuellen Zeit. Für die meisten Halterinnen und Halter ist es kein Geheimnis, dass L. fulica weltweit als invasive Art gilt.


L. fulica stammt ursprünglich aus ostafrikanischen Ländern. Bereits dort erstreckte sich ihre Heimat auf fast die gesamte östliche Küstenregion. Die Erfolgsgeschichte von L. fulica ist menschengemacht. Ihre Invasion begann bereits im 18. Jahrhundert, und zwar - Überraschung - mit ihrer Verschleppung nach Madagaskar. Tatsächlich scheint die Tatsache, dass Madagaskar nicht zur ursprünglichen Heimat von L. fulica gehört, längst vergessen. Seit über 200 Jahren sind die einst eingeführten Exemplare dort geographisch von ihren Verwandten auf dem afrikanischen Kontinent isoliert. Von der Bevölkerung wurde sie nicht als essbar akzeptiert und durch die von ihr angerichteten Schäden in der Landwirtschaft erreichte sie schnell Peststatus. Die Isolation und möglicherweise die hohe Reproduktionsrate machen es möglich, dass sich dort inzwischen eigene Formen etablieren - wir kennen sie unter dem Trivialnamen "Madagaskar light" oder auch "caramell".

Mit Hilfe des Menschen gelangte L. fulica von Madagaskar nach Mauritius. Von dort aus besiedelte sie in kürzester Zeit Sri Lanka und Indien. Bis in die 1930er Jahre vergrößerte sich ihr Verbreitungsgebiet auf weite Teile subtropischer Gebiete in Ostasien. Gleichzeitig wurde sie in China als Speiseschnecke entdeckt und in entsprechenden Anlagen gezüchtet. Im Gegensatz zu Afrika galt hier die fußalbinotische Variante als Delikatesse. Aus solchen Einrichtungen entkommene Schnecken könnten ebenfalls zur Verbreitung beigetragen haben. Mitte des 20 Jahrhunderts erreichte L. fulica schließlich die Inselgruppen des Indopazifik. Vermutlich aus Asien gelangte L. fulica in den 1960er Jahren nach Nordamerika, in die Karibik und letztendlich auch in weite Teile Südamerikas.

Immer noch richtet L. fulica jedes Jahr enorme Schäden an. Ihr Vorkommen zwingt die Landwirtschaft teilweise Anbauflächen mit anderen Pflanzen zu bestellen, die für L. fulica weniger attraktiv sind. In den USA gilt ein Haltungsverbot für bestimmte Achatschneckenarten. Es gibt zahlreiche geförderte Programme, um ihre Ausbreitung einzudämmen. Sei es durch Molluskizide oder durch Versuche der Dezimierung durch natürliche Feinde. So wurde beispielsweise in den 1970er Jahren die Raubschneckenart Euglandina rosea auf einige pazifische Inseln eingeführt, um die Ausbreitung von L. fulica einzudämmen. Leider ging dieser Versuch nach hinten los - es stellte sich heraus dass, L. fulica nicht in das Beuteschema von Euglandina rosea passt, da diese sich vornehmlich von kleineren Schneckenarten ernähren. Neben dem abholzen der Regenwälder trug dies dazu bei, dass die dortigen Schnecken der Gattung Partulid inzwischen vom Aussterben bedroht sind.

Inzwischen gilt L. fulica als weltweit verbreitet und wird von der IUCN (The World Conservation Union) als eine der 100 invasivsten Arten der Welt eingestuft. Globalisierung, Aussetzen von als Haustier gehaltenen Schnecken oder auch beispielsweise durch den Schiffverkehr aus Versehen eingeschleppte Schnecken haben zu ihrer Erfolgsgeschichte beigetragen.

In Europa wurden einzelne Exemplare bereits in Italien, Spanien und Griechenland gesichtet. Durch unsere Winter wiegen wir uns in Deutschland noch in Sicherheit. Doch gibt es Berichte, dass adulte Tiere unterirdisch in Starre Temperaturen bis zu 2°C überstehen können.

Könnte sich L. fulica auch in unseren Breitengraden etablieren? Dazu in einem anderen Artikel mehr.


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